Entspannendes Radfahren mitten durch Bangkoks Grossstadt-Dschungel
Der Farang - September 2007
Von Oliver Y. Buranadis
Eine Fahrt durch den Alltag ins Leben der Bangkoker, fernab der üblichen Touristenpfade.
Eigentlich würde ja niemand ernsthaft auf die Idee kommen, mit dem Fahrrad durch Bangkok zu radeln… Doch da kann man sich ganz gewaltig täuschen. Denn Thailands Hauptstadt hat nicht nur verstopfte Strassenschluchten und abgasgeschwängerte Luft zu bieten, sondern auch wunderschöne Grünflächen und unentdeckte, überaus reizvolle Oasen - wie stille Tempel und beschauliches Geschäftsleben. All das lässt sich mit geführten, entspannenden Radeltouren erkunden. Der FARANG hat die Fahrrad-Tour „Colors of BangkokTM“ erkundet - in einer kleinen Gruppe und zusammen mit dem enthusiastischen Gründer des Unternehmens „Recreational Bangkok Biking“.
Die Farben von Bangkok
Wie kommt jemand auf so eine verrückte Idee, eine Fahrradtour mitten durch Bangkok zu organisieren?, mag sich der Leser vielleicht fragen. Verrückt ist die Idee keinesfalls, sondern wirklich einzigartig und ein muss für jeden Reisenden oder auch Residenten, der Bangkok einmal von einer wirklich unbekannten Perspektive aus sehen möchte, die unvergleichlich und eindrücklich in ihrer Art ist.
Der 47 jährige Geschäftsführer von „Recreational Bangkok Biking“ heisst André Breuer. André ist gebürtiger Holländer aus Den Haag und kam vor über 12 Jahren nach Thailand um seinem Beruf als Sales- und Marketingleiter in einem grösseren Textilunternehmen in Bangkok nachzugehen. Nach einigen Jahren aber hatte er genug und wollte etwas anderes machen. Mit dem Geschick eines Pfadfinders machte er sich während 6 Monaten daran, die Umgebung seines Wohnortes in Bangkok mit dem Fahrrad zu erkunden, und daraufhin kam ihm bald die Idee, diese besonderen Eindrücke auch an Touristen weiterzugeben. Heute sind über 2 Jahre seit der Gründung seiner Firma Recreational Bangkok Biking Co., Ltd. vergangen, und die Nachfrage nach den bestehenden und neuen Touren reisst nicht ab.
Der FARANG war persönlich mit auf einer seiner Touren, die er „Colors of BangkokTM“, zu Deutsch „Die Farben von Bangkok“ nennt. Andrés Büro an der Soi 71 der Rama III Road, war dank einer vorher per E-Mail zugesandten Anfahrtsbeschreibung sehr leicht zu finden. Treffpunkt ist bei all seinen Touren sein Haus, in dem André im EG sein Büro und einem Erfrischungsraum eingerichtet hat. Auf dem Vorplatz stehen unzählige gepflegte Fahrräder für Damen wie auch für Herren. Nach einem kurzen Kennenlern-Gespräch geht’s dann auch schon los, und die Spannung ist bei jedem Teilnehmer gross. Keiner kann sich so recht vorstellen, was auf ihn zukommt. Aber die erste Gruppe, die uns zuvor begegnet ist, hatte ein Funkeln in den Augen, das unsere Neugier noch mehr steigerte. Ich muss hinzufügen, dass mich die Millionen-Metropole Bangkok schon seit meiner Kindheit fasziniert hat und die Gelegenheit, den Alltag der Bewohner von Bangkok mit dem Velo zu erkunden, eine Herausforderung war, die ich unbedingt erleben wollte.
Nachdem unsere Sattel auf die richtige Höhe eingestellt wurden und uns André eine kurze Instruktion zum Fahrverhalten gegeben hatte, geht die Fahrt dann auch schon los. Die Gruppe besteht heute aus 4 Schweizern und unserem Tourguide André wagt sich auf die abenteuerliche Fahrt. Nach nur ein paar Metern auf der Rama III Road biegen wir in eine Seitenstrasse ein und zwängen uns gleich darauf durch ein Weglein, das gerade noch Platz für den Lenker hergibt. Es geht weiter durch Hinterhofstrassen, und dann machen wir einen ersten Halt vor einer Blechhütte, die direkt neben einem Luxusapartmenthaus steht. André macht uns auf das Zusammenleben auf engstem Raum von Arm und Reich aufmerksam, und während ich die Blechhütte vor uns betrachte, frage ich mich, ob wir da wohl jetzt einfach so reinfahren werden? Die beiden Frauen, die vor dem Haus am Boden sitzen, lächeln uns zu und grüssen freundlich, als wir in den Eingang des Hauses fahren. Sie kennen André und wissen, dass er oder seine Begleiter zweimal am Tag bei ihnen vorbeifahren. Nach einem dunklen Abschnitt wird es heller und wir tauchen in einer Welt auf, die wir „Slum“ nennen würden. „Slum“ ist aber ein abwertendes Wort, denn wenn man in den schmalen Gassen an den freundlichen Bewohnern vorbeizieht, wird man jederzeit nett gegrüsst.
Durch die Fortbewegung mit dem Fahrrad bewegt man sich so langsam, um Details nicht zu übersehen, aber auch schnell genug um nicht den Eindruck zu erwecken, die Privatsphäre der Bewohner zu stören. Man fährt hier schliesslich auf engstem Raum durch deren Wohnbereich!
Wir machen halt bei einem Kindergarten. Dieser heisst Jennakart, ist André ans Herz gewachsen, und weil er der Meinung ist, dass Bildung zu den Grundbedürfnissen eines jeden Menschen gehört, soll diese Schule auch Unterstützung erlangen. Dieser Kindergarten kann dort nur existieren, weil sich Sponsoren wie André und Bekannte aus seiner Heimat seit einigen Jahren dazu bereit erklärt haben. Viele der „Slumbewohner“ haben nicht ausreichend Geld für die Schulgebühren, schon gar nicht für Schulbücher, Uniformen, Essengeld, Lehrergehalt und Betriebskosten. Die Kinder bekommen am Ende ihrer Kindergartenzeit ein Zertifikat und die Gewissheit, etwas zu können.
André Breuer scheint Bangkok wirklich zu kennen und weiss während seiner Tour vieles über die Hintergründe und die Lebensweise der Thais zu erzählen.
Der nächste Streckenabschnitt lässt uns ein Stück auf einem ausgedienten Bahngleisbett fahren, welches die Bewohner zu ihrem Zubringer gemacht haben. Auf unserer Weiterfahrt zu einem inoffiziellen Bootssteg am Chao-Phraya Fluss kreuzen Hunde, Enten und Hühner unseren Weg. Ein freundlicher Fährmann begrüsst uns und bringt uns kühle Erfrischungsgetränke. Er verdient durch André‘s Touren seinen Lebensunterhalt. Danach wird das kleine Boot zuerst mit den Velos beladen, und nach einer kurzen Pause steigen wir mit in das wackelige Longtail-Boot. Die Überquerung des Chao-Phraya-Flusses ist erfrischend, und man kann in die der Ferne die Bangkok-Skyline beobachten. Seefrachter, die am Löschen sind, und auf der gegenüberliegenden Seite sieht man dichte Mangrovenwälder direkt am Flussufer. Ziel ist Phra-Pradaeng, der wahrscheinlich grünste und ursprünglichste Teil Bangkoks.
Die grüne Seite Bangkoks
Nach einem kurzen Strassenabschnitt tauchen wir ein in eine Dschungellandschaft durchschnitten von einem 1m breiten Pfad. Die Umgebung besteht aus von Schatten spendenden Palmen, Bananenstauden sowie Papaya- und Mangobäumen. Oft fahren wir auf dem schmalen Steg hoch über dem Sumpf und müssen uns auf den Weg konzentrieren. Schliesslich kommen wir an einem grossen Park an und machen eine Pause an einem grossen Teich, wo wir Barsche und andere Fische füttern und dem wilden Treiben im Wasser zuschauen. Nachdem wir nun die Fische satt gemacht haben wird es auch Zeit, dass wir uns eine kleine Stärkung gönnen. Nur 5 Minuten später kehren wir bei einer thailändischen Familie ein, die ein Strassenrestaurant besitzt und unseren Imbiss bereits aufgetischt hat. Es gibt heute „Pad-Thai-Gung-Sot“, ein lecker schmeckendes und typisch thailändisches Nudelgericht, gebraten mit frischen Shrimps und Gemüse. Die Portion gerade recht, um nicht mit vollem Magen die Rückfahrt in Angriff zu nehmen. Gestärkt geht es dann zum nächsten Pier, wo das Fährschiff bereits wartet und uns viele Einwohner auf dem Nachhauseweg von der Arbeit begegnen.
Beim letzten Stopp besuchen wir, wie von André vor der Tour angekündigt, eine Thaiboxschule. Doch weil wir etwas spät dran sind, sehen wir die Kids und Trainer bereits beim Auflockern nach dem Training. Trotzdem lassen wir es uns nicht nehmen, ein paar Schnappschüsse zu machen, bevor wir zum Ausgangsort zurückradeln.
Die ungefähr 27km lange Tour, ist für jeden geeignet, der ein Fahrrad fahren kann. Auch wenn André’s Radlerhosen beim ersten Anblick den Eindruck erweckt haben, dass wir es bei ihm mit einem Radsportprofi zu tun haben, war das eine Täuschung. Er raucht gerne mal in den vielen Pausen eine Zigarette und beantwortet geduldig unsere vielen Fragen. Seine Kenntnisse über Bangkok und deren Einwohner beeindruckten jeden von uns, und wir sind überzeugt, dass sich bei jährlich 6000 tourbegeisterten Gästen der eine oder andere für eine neue oder sogar die gleiche Tour wieder anmelden wird.
Die 4-5-stündigen Touren, mit maximal 8 Teilnehmern und Englisch sprechendem Guide werden täglich angeboten von:
Recreational Bangkok Biking Ltd. Baan Sri Krung 350/127, Soi 71, Rama 3 Road, Bangkok Telefon: +66(0)2-285.3867 oder +66(0)81-170.5906 Fax: +66(0)2-285.3431 www.bangkokbiking.com info@bangkokbiking.com
Tourenangebot:
“Colors of BangkokTM“ und “Colors of Chiang MaiTM” kosten pro Person 1.000 THB inkl. Wasser und Verpflegung, Guide und Fahrradmiete.
Bei der „Rickshaw & hike the colorsTM“-Tour wird durch Bangkok gewandert und mit Rikschas gefahren. Diese Tour kostet 1.500 Baht, alles inklusive.
“Bangkok ParadiseTM” ist eine 2-Tagestour durch Bangkok mit dem Rad und mit dem Longtailboot.
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